1889–1979
Gertrud Groag stammte aus Zábřeh in Mähren. Am 4. Juli 1943
wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie mit ihrer Familie
bis zur Befreiung blieb. Ihr Sohn Willi Groag schrieb 1943 einige
ihrer Gedichte in zwei Exemplaren kalligraphisch ab und gab sie
in einem Bändchen mit dem Titel Lieder einer Krankenschwester heraus.
Die einzelnen Gedichte illustrierte er mit seinen Zeichnungen.
Vision
Gertrud Groag
Hast stiller Fährmann du vielleicht
Mich heut
schon abgesetzt am andern Ufer
Des breiten Stromes, dessen
Silberband
Mich trennt von dir, geliebter Freund?
Bewußt
noch fühl ich meines Körpers Hülle.
Und
meine Glieder, schmerzlos, kühl und frei
Ruh`n wie
auf almengrünen Rasenmatten.
Und wo ruh`st du, geliebter
Freund?
Ich weiss es nicht, ob je ich deine Hände
Als
Kosen über`m Scheitel spüren werde.
Ist es vorbei?
Und war es schon das Ende?
Bin ich entrückt dir, ewig
heissgeliebte Erde?
Auf ewig Dir, mein heissgeliebter Freund?
Quelle: 274)